Kirmesgeschichte Rodheim-Bieber – 1856 bis heute

Ausgestellt werden in einer Sonderausstellung im Heimatmuseum Rodheim über 300 Fotos,
gegliedert in drei Zeitabschnitte:

  • Vor dem Zweiten Weltkrieg
  • Die Saal-Kirmessen nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1960er Jahre
  • Die Zeltkirmes ab Mitte der 1960/70er Jahre

Erstaunlicherweise beginnt unsere Kirmesgeschichte im Jahre 335 in Jerusalem.

Dort ließ Helene, die Mutter des ersten christlichen Kaisers, Konstantin der Große, über dem Grabe Jesu eine Kirche bauen und feierlich einweihen.
Zur Erinnerung dieser Kirchweih befahl der Kaiser, dass dieser Weihetag am 15. September alle Jahre wieder feierlich begangen werden solle.

Das Beispiel Konstantins fand in der Christenheit viele Nachahmer, so dass seitdem alle Kirchen feierlich eingeweiht wurden und in jährlichem Andenken Kirchweih gefeiert wurde.

Da beim katholischen Gottesdienst die Messe als der vorzügliche Teil betrachtet wird, nannte man die Kirchweih auch Kirchmesse, woraus im Laufe der Zeit das Wort Kirmes entstand.


Bis 1933 bestand Bieber aus den Ortsteilen Rodheim, Fellingshausen und Königsberg.
Erst 1954 entstand ein Gemeindehaus, in dem Gottesdienste gefeiert wurden.
So hätte Bieber erst ab da eine Kirmes feiern dürfen. Nachweislich aber richtete jeweils einer der Wirte bereits seit 1856 eine Kirmes in seinem Festsaal aus, wie aus Fellingshäuser Gemeindeakten hervorgeht:
denn aus dem Bericht des Bürgermeisters Gerlach vom 13. Nov. 1856 ist zu entnehmen, dass der Witwe des Philipp Krauskopf, die in Fellingshausen eine Zapfwirtschaft betrieb, bei Johann Wagner auf der Bieber eine Kirchweih abzuhalten eine Erlaubnis erteilt worden war.

Außer in Kriegszeiten wurde in Bieber stets Kirmes gefeiert.
Bereits vor der Gründung der ersten Burschenschaft Immergrün Rodheim 1907 wurde z.B. Ende August 1906 eine Kirmes durchgeführt. Früher fand das in den Sälen der örtlichen Gastwirtschaften statt. Ab 1966 wurde dann in Rodheim und ab 1975 in Bieber Zeltkirmes abgehalten.
In diesem Jahr (2020), wenn es keine Corona-Beschränkungen gegeben hätte, hätte in Rodheim die 54. Kirmes am 3. Wochenende im Juni stattgefunden. In Bieber hingegen würde die Kirmes traditionell über Pfingsten ausgerichtet.

Der Ursprung der Mädchenversteigerung vor der Kirmes ist nach dem Krieg zu suchen. Sie wurde eingeführt, um ein finanzielles Poster zu haben, mit dem die Kosten der Kirmes gedeckt werden konnten, da die Feste ja in Gastwirtschaften stattfanden. Dort hatten die Burschen zunächst nur die Einnahmen vom Tanzgeld, mit denen die Musikkapelle bezahlt wurde. Mit dem Erlös der Versteigerung konnten die Kosten für die Musik und die Organisation der Kirmes dann zuverlässiger abgedeckt werden.

Quelle: Gießener Anzeiger, 02. Juni 2020

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